Dämmung der obersten Geschossdecke

Nach dem 31. Dezember 2011 müssen begehbare, bisher ungedämmte oberste Geschossdecken beheizter Räume so gedämmt werden, dass der Wärmedurchgangskoeffizient der Geschossdecke 0,24 Watt/(m2•K) nicht überschreitet (§ 10 Abs. 4 EnEV).

Für nicht begehbare oberste Geschossdecken gilt eine entsprechende Dämmpflicht
schon seit dem 1. Februar 2002. Betroffen sind alle Wohngebäude und Nichtwohngebäude, die nach ihrer Zweckbestimmung jährlich mindestens vier Monate und auf Innentemperaturen von mindestens 19 Grad Celsius beheizt werden. Alternativ kann auch das darüber liegende, bisher ungedämmte Dach entsprechend gedämmt werden.

Aufgrund einer neuen Auslegungsregelung (XV-2) der Fachkommission Bautechnik
der Bauministerkonferenz, die vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raum-forschung (BBSR) und dem Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) veröffentlicht werden, sind jedoch viele Dächer von dieser Dämmpflicht ausgenommen, da sie als
bereits gedämmt gelten. So soll es ausreichend sein, wenn die oberste Geschossdecke den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 : 2003-07 entspricht. Dies kann für alle massiven Deckenkonstruktionen, die seit 1969 errichtet wurden, und für Holzbalkendecken aller Baualtersklassen angenommen werden. Eigentümer einer entsprechend ausgestatteten obersten Geschossdecke fallen also nicht unter die Dämmpflicht des § 10 Abs. 4 EnEV und müssen daher bis zum 31. Dezember 2011 keine diesbezüglichen Maßnahmen veranlassen.

Bei Wohngebäuden mit nicht mehr als zwei Wohnungen, von denen der Eigentümer
eine Wohnung am 1. Februar 2002 selbst bewohnt hat, ist die Dämmpflicht erst im Falle eines Eigentümerwechsels nach dem 1. Februar 2002 von dem neuen Eigentümer zu erfüllen (§ 10 Abs. 5 EnEV). Dem neuen Eigentümer wird hierfür eine
Frist von zwei Jahren nach dem Eigentumsübergang eingeräumt.

Sollte der Eigentumswechsel vor dem 1. Januar 2010 stattgefunden haben und sind
seitdem noch keine zwei Jahre verstrichen, ist es ausreichend, wenn die obersten Geschossdecken beheizter Räume so gedämmt werden, dass der Wärmedurchgangskoeffizient der Geschossdecke 0,30 Watt/(m²•K) nicht überschreitet.

Soweit die für die Nachrüstung erforderlichen Aufwendungen durch die eintretenden
Einsparungen nicht innerhalb angemessener Frist erwirtschaftet werden können, muss eine Dämmung ebenfalls nicht erfolgen (§ 10 Abs. 6 EnEV). Leider gibt es jedoch keine allgemein gültige Auslegungsregelung bezüglich der Angemessenheit
der Frist. Es obliegt also den jeweiligen Baurechtsbehörden, die Angemessenheit der
Amortisationsfristen zu bemessen. Die logische Obergrenze der Frist stellt die technische Lebensdauer der Bauprodukte dar. Diese kann theoretisch über 50 Jahre
betragen. Nach der Begründung der EnEV sollen sich die energetischen Mehrkosten
jedoch generell „deutlich vor Ablauf der technischen Lebensdauer betroffener Bauprodukte“ amortisieren. Vermutlich sollte daher in der Praxis auf Amortisationsfristen zwischen 10 und 25 Jahren abgezielt werden.

Bei der Dämmung der obersten Geschossdecke handelt es sich um eine gesetzliche
Pflicht. Die baulichen Maßnahmen werden also aufgrund von Umständen durchgeführt, die der Vermieter nicht zu vertreten hat. Zudem wird im Gebäude auch
nachhaltig Energie eingespart. Soweit die gesetzliche Pflicht erfüllt wird, handelt es sich bei der Dämmung der obersten Geschossdecke demnach um eine Modernisierung im Sinne des § 559 Abs. 1 BGB. Wie bei allen Modernisierungen müssen die entsprechenden Ankündigungen innerhalb der gesetzlichen Fristen erfolgen. Zudem kann im Anschluss eine Modernisierungsmieterhöhung mit der entsprechenden Aufteilung auf die jeweiligen Wohnungen erfolgen.